Geld und Anarchie

Geld ist ja nicht sehr beliebt unter Anarchistinnen. Dennoch ist es ein Faktum, mit dem man leben muss. Vom praktischen, heutigen Aspekt ist Geld für jeden notwendig, weil wir ohne Geld in der modernen Gesellschaft nicht überleben können. Es gibt kaum noch Nischen. Dennoch kann man Geld auch positiv einsetzen um Feiräume zu schaffen. Letztlich ist es doch so, das alle nicht am Geld vorbeikommen. D.h. entweder arbeiten wir unter unbefriedigenden Bedingungen, oder wir kämpfen uns als selbständiger ab – unsicher ob man auch im nächsten Monat noch Geld hat. Geld ist also eine entscheidende Ressource. Und wenn „wir“ kein Geld besitzen sind wir machtlos in der Gesellschaft.

Als Alternative bietet sich an Geld zu organisieren. D.h. es nicht dem einzelnen Individuum zu überlassen. Damit verbunden sind allerdings gewisse Regeln der Gesellschaft. Ich kann daher verstehen, wenn man versucht den Geldfaktor zurückzudrängen, damit er nicht anfängt die persönlichen Beziehungen zu prägen. Ich glaube aber auch, das wir leider geprägt sind von den Vorstellungen unserer Eltern und der Restgesellschaft. D.h. man kann auch anders mit Geld arbeiten.

Interessant finde ich da das Beispiel der Grameen-Bank. Die verlangt diese z.B. 20 Prozent Zinsen. ABER: Die Bank gehört allen – und es gibt quasi keine Konsequenzen, wenn jemand die Zinsen nicht zahlen kann. Sie kann dann einen neuen Kredit aufnehmen. Das gilt in Bangladesh selbst bei Katastrophen. Was passiert mit den Zinsen? Sie werden wieder an alle weitergegebe, v.a. für neue Kredite. Nicht alle können Kredite zurückzahlen. Macht aber nix – hat keine Konsequenzen. Kann man einfach neuen Kredit bekommen.Wir sind es gewohnt das Schulden brutale Konsequenzen haben. Aber wenn Schulden nur Verbindlichkeiten gegenüber Freunden sind ist es was anderes- man zahlt die zurück, weil man Freunden nichts wegnehmen will – aber auch sind die Freunde toleranter als eine Bank. Die zwanzig Prozent bedeuten, das durch das Leihen von Geld essentiell mehr Geld in einen gemeinsamen Kreislauf kommt.

Sowas funktioniert aber nur dann, wenn Leute irgendwie versuchen aus einer Schuldenspirale herauszukommen. Denn 20% zu zahlen lohnt sich nur dann, wenn man das Geld „sinnvoll“ eingesetzt hat. Ist das überhaupt auf uns Europäer übertragbar? Oder gar auf Anarchistinnen? Ich denke: Vielleicht. Ich finde den Gedanken interessant zuversuchen mehr Gemeineigentum zu schaffen, von dem dann wieder Projekte finanziert werden können. Anstatt sich immer nur von einem Soli zum nächsten durchzuhangeln. Stattdessen sich gegenseitig aus der Scheisse ziehen und sich unabhängig zu machen vom System durch eigene Banken.

Wobei ich immer weniger daran glaube das rein anarchistische Organisationen Bestand haben können. Sogar denke ich, das es eher unarchistisch ist, wenn man solch „reine“ Organisationen anstreben würde. Lösungen müssen immer für alle angeboten werden. Es gibt keine Lösungen für eine „Elite“ wie auch immer sie sich versteht (als „besser“, „klüger“, „vernünftiger“,…). D.h. Lösungsansätze müssen immer einem Praxisanspruch standhalten. Man kann manche Lösungen in kleinen Gruppen ausprobieren, aber wenn diese nicht auf jedefrau übertragbar sind, sind sie es eigentlich nicht wert sie weierzuverfolgen. Das ist dann mehr Hobby als ernsthafte Politik.

7 Kommentare

  1. Wie soll ich dir das jetzt sagen, ohne dass du mich sogleich als „Theoretiker“ verschreist, der nie etwas tut?

    Kurz: Kein Schmusekurs mit dem Kapital!

    Wie kommst du nur darauf die Grameen Bank zu loben? Diese erz-kapitalistische Institution, nur darauf bedacht die kapitalistische Wirtschaft anzukurbeln um Profit zu schlagen. Diese Bank, einzig und allein der Umverteilung bedacht: Geld fliesst wieder einmal von unten nach oben. Das Eigentum wird nicht nur gewahrt, sondern gar gestärkt!
    Auch wenn sich die Grameen Bank, im Moment noch, im Vergleich zu anderen Kreditinstituten, als sehr sozial erweist.

    Es führt zu nichts andere Banken zu gründen: Dies wurde auch schon vielfach versucht (Proudhons Volksbank als Beispiel, wobei die noch einen (entscheidenden!) Schritt weiter ging: Für den Kredit sollte kein Zins verlangt werden).
    Wenn wir ein anderes Wirtschaftssystem wünschen, und Leute aus der „Lohnabhängigkeit“ befreien wollen, müssen wir tiefer ansetzen: Wir müssen das bestehende Eigentumsparadigma hinterfragen! Und wer das tut wird zum Schluss kommen: Geld ist nicht mehr nötig, denn: „Omnia sunt communia“, alles gehört allen, Eigentum zählt nicht, was zählt ist Besitz!

    Ich schlage etwas anderes vor um wirklich anarchistisch aktiv zu werden, innerhalb vom kapitalistischen Wirtschaftssystem:

    Ein paar Jahre Arbeiten, Geld verdienen, dieses Geld geschickt anlegen und vermehren lassen, ein möglichst grosses Grundstück kaufen (Damit niemand irgendwelche Ansprüche geltend machen kann), die Autonomie ausrufen, alle Leute zur Mitarbeit einladen und dann ein möglichst friedliches, gut funktionierendes und selbstversorgendes Dörfchen aufbauen. Einige Bewohner arbeiten ausserhalb zur Deckung der Kosten für Waren, welche man nicht selber produzieren kann. Dann hoffen dass diese Grundstück irgendwann aus den Nähten platzt und ein 2., 3., 4., etc. gegründet wird.

    Siehe -> Panokratie, Tobi Blubb oder wie der heisst beschreibt eine ganz nette Übergangslösung zu einer entsprechenden Alternative😉

  2. Die Frage ist wo Kapital und Kapitalismus anfängt. Ich denke das die Grameen-Bank eben nicht nur einfach sozial ist, sondern mehr für viele arme Menschen getan hat – und zwar langfristig als viele ja „theoretisch“ gute Ideen. Dein Vorschlag ist vielleicht in vielen Köpfen vorhanden. Letztendlich bleiben dann aber viele Leute bei deinm Punkt „Geld verdienen“ hängen. Meist ist mehr als Kleinfamilie nicht gelebt. Nicht zuletzt auch deswegen weil man oft die Erfahrung macht das ausserhalb der Familie ganz schnell Egoismus und Unverbindlichkeit durchkommt. Daher finde ich Strukturen wichtig, die langsam aber auch ganz konkreter ansetzen die Probleme der Leute zu lösen. Ich denke das das „man muss tiefer ansetzen“ oft darauf hinaus läuft das eben nicht stattdessen tiefer angesetzt wird, sondern eben nur dazu dient eine mögliche Lösung abzuwerten, aber nicht wirklich etwas bessere zu bieten.

    Entscheidend ist, das die Leute sehr kurzfristig auch Erfolge sehen – das kann auch nur Spassfaktor sein. Aber wenn man die Leute sozusagen auf das jüngste Gericht vertröstet, dann werden sie nicht mitziehen. Davon abgesehen ist Reden und Handeln auch oft zweierlei. Wie viele reden gerne von der Revolution und bauen sich derweil ihre spießbürgerliche Existenz auf. Es gibt aber eben ganz konkrete Probleme die es zu lösen gibt. Wer das am besten kann wird auch von den Menschen unterstützt – wenn man Pecht hat allerdings auch ganz schnell von den mächtigen platt gemacht. In Deinem Sinne glaube ich nur an viele kleine Projekte und nicht an das große Ding – auch nicht an diue große Revolution durch die alles besser wird. Wahrer Wandel fällt eben nicht vom Himmel. Und solange das System in un steckt werden wir seune Mechanismen eher replizieren als eine echte Alternative zu bieten.

  3. vinci, ein echter Pragmatiker, was?
    Als solcher ist es auch logisch das du Theoretiker verachtest. Ich selbst bin kein Theoretiker, mein spiessbürgerliches Dasein, vor welchem ich kurze Zeit stand, habe ich mir selbst verbaut.
    Trotzdem: Die Geschichte hat gezeigt, dass jede Periode seine Theoretiker UND Praktiker brauchte, von daher ist eine Spaltung höchst kontraproduktiv.
    Beim Pragmatismus sehe ich einfach die Gefahr der Resignation. Manchmal empfinde ich es gar so: Die Pragmatiker zelebrieren diese!
    Trotzdem höre ich gerne Interpretationen und Argumentationen, den pragmatische Einstellungen führen jeweils zu höchst interessanten Ansätzen. Ich bleibe aber doch lieber Utopist🙂

    Zur Grameen Bank, ich habe mich etwas eingehender mit ihr beschäfigt. Es stellt sich im Endeffekt bloss die Frage, ob man nun kapitalismusfreundliche oder -kritische Entwicklungspolitik befürwortet. Mikrokredite führen tatsächlich in vielen Fällen zu einer Verbesserung der Lebensverhältnisse armer Menschen. Doch: Es ist kein Patentrezept. Den sehr viele Menschen geraten durch Schicksalschläge erst recht in die Armut (Stichwort „Schuldenfalle“, die auch bei der Grameen Bank zuschnappen kann).
    Abgesehen davon macht sie aus der normalen ländlichen Bevölkerung Kapitalisten. Dazu gehört auch die flächendeckende, weltweite Verbreitung von Lohnabhängigkeiten. Viele Kreditnehmer eröffnen nach einigen Jahren eigene Betriebe und beuten die (noch) ärmere Bevölkerung aus. Als Anarchist sehe ich das Heil der Menschheit, dazu gehört auch die arme Bevölkerung der Entwicklungsländer, einzige in der Ersetzung des kapitalistischen durch ein syndikalistisches Wirtschaftssystem. Von daher beobachte ich die Verankerung kapitalistischer Prinzipien in (bevölkerungsreichen) Entwicklungsländern mit grosser Sorge.

  4. Naja ich theoretisiere ja auch ganz gerne. Baer schau doch noch mal selbst: Du sagst selber das die Grameen-Bank Leuten aus der Armut hilft. Dazu kommt, das bisher viele Menschen Kredite nur von Großgrundbesitzern bekamen. Schulden können auch bei Grameen gemacht werden – aber letzlich hat das dann nie die Konsequenz wie bei einer anderen Bank, wo die Leute eh kein Geld bekämen. Was ich nicht so gut finde ist, wenn man immer nur darauf schaut ob auch alles irgendeiner theoretischen Lehre entspricht. Sprich: Ist es also besser wenn jetzt Generationen von Bangladeshis in die Abhängigkeit von Großgrundbesitzern kommen nur um darauf zu warten, das irgendwann der Anarchismus nach Bangladesh kommt? Ich finde das ist so eine typische Wohlstandsignoranz. Ich denke alles, was die Leute unabhängiger macht ist gut. Ich scheisse ehrlich gesagt auf die reine Lehre wenn die Ergebnisse stimmen. Letztlich kann keine Theorie den Leuten helfen. Ok, wenns jetzt so wäre das die Leute dadurch langfristigeren Schaden nehmen und es ihnen ohne Grameen besser ginge…. Ich habe aber auch an den Anarchismus den Anspruch, das er die Interessen der Menschen im Auge haben muss. Abgesehen davon bin ich auch kein Syndikalist. Meine Vorstellung gehen eher Richtung freie Kooperationen. Ich denke das viele Anarchistinnnen und Linke gerade im Westen oftmals auf den Kapitalismuss starren wie auf eine gefährliche Schlange und es dabei versäumen einfach bestimmte Bedingungen als erst mal gegeben anzunehmen und diese dann zu nutzen – oder auch konkret an Alternativen arbeiten. Am Ende muss man ja doch irgendwo überleben – und das gilt noch viel stärker für die große Masse der Bevölkerung. – Ich will nicht jede Fortentwicklung gutheissen – ich bin auch weder Grün npch Sozialdemokrat – aber das Warten auf das anarchistische Paradies hat manchmal schon fast religiöse Züge und erinnert an Christen, die auf das Jüngste Gericht warten. D.h. man mag eher damit leben das es Milliarden Menschen immer dreckiger geht als an etwas zu arbeiten, was eben vielen Milliarden Menschen helfen kann eine menschenwürdigere Existenz aufzubauen. Ich denke das viele Menschen weltweit nicht mehr zurückgehen können werden in eine Art Primitivismus der frei ist von globalen Zusammenhängen. Es gibt nun mal Geld und Macht. Und Unterdrückung gibt es schon sehr lange. Daher denke ich das alles, was die Leute befähigt eigenständige Entscheidungen zu treffen und sie von quasi Leibeigenschaften befreit etwas großartiges ist – und letztlich nicht bedeutet, das diese Leute oder deren Kinder in Zukunft nicht auch noch mehr wollen.

  5. Sie erpressen uns über das Geld – und geben dem normalen HarzV Bezüger nichts ausser represserischste Massnahemn!!!Es hat die gar nichts zu interessieren was ich mit meinem Geld anstelle!!!Hier sollte man die elitärfaschisten der SPD, CDU und Grüne Seitenswiese abfeiern!!!!

    Viva la libertad!!
    No paseran!!!

    Nehmt eure Freiheitsrechte wahr,
    solange ihr noch welche habt!!!

    Nichts scheut das Ungeziefer mehr ,
    als das Licht der Öffentlicihkeit!!!

    Keinen Fußbreit den Faschisten,Rassisten
    und Linkstotalitaristen!!!!

  6. Wer ist denn „Sie“? Ich kann nichts mit Verschwörungstheorien anfangen oder mit Begriffen wie „Ungeziefer“. Und durch mehre Ausrufezeichen werden die Aussagen auch nicht besser.

  7. […] sehr? Führen wir das mal in einem übertriebenen Beispiel fort: Beliebiges sozialistisches System: 100% verdienen das Durchschnittseinkommen von 30000 Euro im Jahr. Beliebiges kapitalistisches System: […]


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