Und wieder was gelernt…

Anläßlich neuerlicher Erfahrungen mit Gemeinschaft möchte ich diese teilen. Vielleicht fühlt sich ja auch jemand zu einem Kommentar angeregt.

Meine neuerlichen Erfahrungen drehen sich um ein gemeinschaftliches Gartenprojekt in einem Kleingartengebiet, bei dem ich eingestiegen war – um gemeinschaftlich Gärten zu nutzen. Insgesamt bin ich was Gemeinschaften angeht sowieso eher gebranntes Kind. Unter dem Label läuft oft vieles, was mit Gemeinschaft wenig zutun hat. Vielleicht führt meine Skepsis, die aus dieser Erfahrung stammt auch oft wieder zu Komplikationen. Es ist schwierig sich auf Dinge einzulassen, gerade wenn es um Gemeinschaft und Teilen geht. Ich bin ganz klar kein kollektivistischer Anarchist. Ich mag meine indivuellen Freiräume. Hier zunächst eine kurze, verallgemeinerte Zusammenfassung ohne dabei nicht ins Detail gehen – die Details sind unwichtig – die Bedeutung für den Umgang mit Gemeinschaft aber umso größer:

Die Grundidee war mehrere Gärten zusammenzufassen. Neben einem Kern an Leuten wurden weitere Leute angesprochen, ob sie sich beteiligen wollten, bzw. für gewisse Gärten die Hauptverantwortung übernehmen wollten. Einen davon hatte ich dann übernommen. Aber was heisst schon übernommen in einem Gemeinschaftsprojekt? Jedenfalls stellte sich für mich heraus, das ich wohl eher zu den Leute gehöre, die es auch schätzen an einem kleinen Fleckchen Erde eigenverantwortlich zu handeln und es nicht so gut vertragen, wenn einem jeder reinredet. Ich sehe das ganze getrennt voneinander:

  1. Eigentum/Besitz – sollte idealerweise keine Rolle spielen. Fakt ist aber, das er es tut. Selbst wenn wir uns gegenseitig Sachen leihen etc. ohne Verbindlichkeit sind wir oft nicht bereit zu teilen. Dies ist aber auch gerade durch die heutigen beliebigen Zusammenhänge sicher schwieriger als früher in kleinen, eingeschworenen Gemeinschaften. Wir alle wissen, das es eben auch Arschlöcher gibt, die nur an sich denken – und denen wir auch ungerne Sachen leihen würden.
  2. Gemeinschaft – Eine oft verwendete Phrase. Damit kann man ggf. alles begründen. So ein Kleingartenverein ist auch ne Art Gemeinschaft aus lauter „Gartenfreunden“. Neben dem Aspekt spießiger Gartennachbar und deutscher Vereinsseligkeit gibt es aber auch oft den Aspekt des hilfsbereiten, zwischenmenschlichen Kontaktes – einfach nur Mensch und Mensch. Auch wenn auf der anderen Seite des Zaunes kein Anarchist steht und diejenige auf die Einhaltung bestimmer Grenzen mehr schätzt als wir. Gemeinschaft in einer gewissen Szene ist vielleicht sogar schwieriger, weil es da einen gewissen Anspruch an Gemeinschaft gibt, d.h. ein Anspruch der Gemeinschaft an uns und umegekehrt. Wobei es kein „gemeinschaftliches Wesen“ gibt. Man kann zwar der Gemeinschaft Schuld zuweisen – aber letztendlich lebt das ganze durch eine Eigendynamik und den Charakter der Individuen. Man kann natürlich bestimmte Techniken und Mechanismen nutzen um zu versuchen den Charakter der Gemeinschaft weiterzuentwickeln oder zu schützen. Nach meiner persönlichen Erfahrung verstecken sich unter der Gemeinschaft aber allzu oft irgendwelche Egotrips oder Nutznießer von Gemeinschaft.
  3. Raum/Fläche – Unabhängig davon gibt es eben Flächen wie mehrere Kleingärten, die man nutzen kann – mit oder ohne Gemeinschaft.

Die Frage ist nun, wie man diese drei Elemente am besten mischt, bzw. was damit möglich ist. Das heisst man kann gewisse Nutzenaspekte rausgreifen, wie z.B.

  • Spaß, Feiern, Action (Grillen/Partys, Kinderspielflächen)
  • Erholung (Hinlegen, Buch lesen, rumsitzen und Vögel beim Zwitschern zuhören)
  • Gartenarbeit (Hände schmutzig machen, sich nen Plan machen, Gemüse anbauen, Ernten, Bauaktionen)

Hier gibt es schon einiges Konfliktpotential, weil hier je nach Größe der Flächen Bedürfnisse und Vorstellungen kollidieren können, wie in meinem Fall geschehen. Da ist man dann manchmal ganz erstaunt wie unterschiedlich Menschen eine Fläche beackern würden. Ich persönlich stehe ja gedanklich eher Ideen der Permakultur oder der Nichts-Tun-Landwirtschaft nahe. Erster versucht auf kleinstem Raum den höchsten Nutzen zu erzielen, d.h. z.B. im Extremfall gibt es da Leute die in London in kleinen Hinterhöfen Kartoffeln in gestapelten Autoreifen anbauen um in die Höhe auszuweichen – bzw. Nutzen heisst dabei nicht einfach nur Ertrag wie im Kapitalismus üblich, sondern eben ALLES wie eben auch Erholung und Spaß haben. Zweitere Methode stammt von Masanobu Fukuoka und hat den Grundsatz sich nicht zu fragen, was man noch alles tun kann, sondern was man alles lassen kann. D.h. es werden unnötige Aktionen unterlassen. Das fällt offenbar vielen schwer, den Gartenarbeit wird oft damit gleichgesetzt das man ständig gebückt durch den Garten geht und Unkraut zupft. Beide Methoden versuchen eher langhfristig zu denken. Im grunde denkt man dabei dann immer nicht nur an sich selbst, sondern auch an kommende Generationen, gerade wenn man neuen Bäume pflanzt, die dann vielleicht erst in 10-15 Jahren Ertrag bringen. Auch die Perspektive fällt vielen heute schwer, die gerne Resultat jetzt und sofort haben wollen.

Jedenfalls war es bei uns so, das obgleich eigentlich alle ökologisch eingestellt war ich offenbar der einzige war, der versuchen wollte die o.g. Prinzipien mal selber in der Praxis konsequent zu erproben. Das heisst eben nicht der Versuch eines Ziergartens oder Rabatten. Das bedeutet z.B.: Kein Umgraben sondern Mulchen – möglichst die Erdkrume erhalten und Bodengare unterstützen. D.h. Eingriffe die man machen würde wäre z.B. durchaus Auswüchse von Brombeeren zu dezimieren, weil man da irgendwann nicht mehr durchkommt. Aber eben kein tabula rasa.

Fakt war, das es (von Einzelnen) einen gewissen Gruppendruck gab bestimmte Dinge nur auf eine Art umzusetzen. Während bestimmte Teile des Gartens bereits verbaut oder verplant waren, bzw. klar war, das man dort nicht einfach so eingreifen sollte war der Garten, den ich beackern wollte sozusagen Freiwild. Das bedeutet dann natürlich eine Schräglage – ein Ungleichgewicht. Außerdem bin ich wohl auch mehr der Typ des ruhigen Gärtners, der eher länger überlegt und dann aber versucht konsequent zu handeln. So ein Garten läuft schließlich nicht weg😉

Für mich habe ich realisiert, das ich entweder eine sehr offene Gemeinschaft bevorzuge in der man ohne Probleme über ALLES reden kann oder eben meinen Freiraum, den man mir lässt. Das ist aber auch eine bedeutende Fragestellung für andere Zusammenhänge: Welchen Platz will man dem Individuum einräumen? Ich tendiere zu einem sehr großen Freiraum und einer Kooperation basierend auf Freiwilligkeit. Die Verbindlichkeit und das Vertrauen müssen wachsen und können durch Entscheidungen über die Köpfe von anderen hinweg zerstört werden. Sicher sollte es Grenzen des Individuums innerhalb einer Gemeinschaft geben. Ich verstehe allerdings Anarchismus auch zum Teil aus einer individualistischen Perspektive des Enthaltens von Druck. Das heisst die Gemeinschaft soll nicht bestimmen, was der Einzelne tun und lassen kann, sofern nicht grundsätzliche Schwierigkeiten auftreten. D.h. es sollte vor allem um Vertrauen aus der Gruppe und an die Gruppe gehen. Dabei ist es m.E. das allerwichtigste das man die Kultur innerhalb einer Gruppe pflegt, das zweitwichtigste sollte eine sachliche Diskussion sein, was das beste und vernünftigste ist. Weniger bedeutsam finde ich das Einhalten bestimmter Theorien oder Prinzipien, sofern diese mit den Beteiligten nicht unmittelbar etwas zutun haben.

Soweit erstmal…

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