Deutsche, Linke, Antideutsche

Ich will hier mal ein wenig das Phänome kommentieren, so weit ich es verstehe: Antideutsche haben bestimmte Positionen populär aber auch umstritten gemacht, die den Antimerikanismus und Antikapitalismus kritisch beleuchten. Soweit ich weiss führt das zum Teil zu einer umgekehrten und ebenfalls unkritischen Solidarisierung und Unterstützung us-amerikanischer oder israelischer Politik.

Ich finde das es durchaus angebracht is, so manche Äußerungen aus der Linken genauer zu betrachten. Ich denke es muss möglich sein den Kapitalismus und Militarismus zu kritisieren ohne dabei auf antisemitische Klischees zurückzugreifen? Aber offenbar nicht. Ich bin kein Antideutscher und ich würde auch nie die israelische oder USA-Flagge schwenken, noch sonst irgendeine. Solidarität aus Prinzip macht keinen Sinn – insbesondere Solidarität mit Staaten. Und wer hier Geld für Waffen für Israel sammelt ist auch ganz schön durchgeknallt. Davon aber abgesehen denke ich das die Antideutschen mit Ihrer Analyse der antisemitischen Tendenzen innerhalb der Linken absolut recht haben. Es gibt da einfach bestimmte Argumentationsmuster, auf die gerne zurückgegriffen wird, die sich in Sätzen wie „unsersättliches Kapital“ niederschlagen – oder auch die Verbindung von „blutsaugend“ und „Öl“. Für eine Kritik amerikanischer Kritik und des Kapitalismus ist es absolut nicht notwendig auf die Mottenkiste antisemitischer Propaganda zurückzugreifen. Und wer das unreflektiert tut muss sich auch Kritik gefallen lassen! Hier aber hört man von vielen Linken wiederum ätzendste Kritik an den Antideutschen, die die Rolle von Nestbeschmutzern und Spielverderbern spielen müssen. Wie kann man auch nur irgend wem der Kapitalismusfeindlich ist vorwerfen er würde sich in seiner Argumentation vergreifen.

Hier gibt es dann auch das Problem, das es einerseits auch eine weitverbreitete und übertriebene „political correctness“ gibt  – zum anderen habe ich glaube ich noch nie so oft das Wort „Neger“ gehört wie in den letzten Jahren aus dem Munde von Linken. Es gibt also gleichzeitig eine übertriebene „political correctness“ und auf der anderen Seite eine übertriebene Ignoranz vor jeglicher Sensibilität gegenüber der Wortwahl. Also auch hier viel Aktion und Gegenreaktion.

Ich würde es bevorzugen, wenn die Leute in ihrer Wortwahl und ihren Argumentationslinien um einiges sensibler wären – dann würde wohl auch die Reaktion der Begriffspolizei nicht so stark sein. Inzwischen sind aber die begrifflichen Verfehlungen mancher Linker so schwerwiegend und so nahe an rechtsradikalem Wortschatz, das die übertriebene Sensibilität der anderen Seite oft schon wieder verständlich erscheint.

Die Haltung, das man als Anarchist oder Linker als solches eh erhaben ist über Vorurteile und daher jede Art von Kritik an Wortwahl und Argumentation eine Unverschämtheit kann ich so jedenfalls nicht nachvollziehen. Und dann kommt auch gerne wieder die Vorderung nach „Solidarität“ – mit der kann man ja auch prima alle Gegensätze unter den Teppich kehren. Nur möchte ich nicht an der Seite von Leute stehen, mit denen ich mich nicht ausgiebig über Grundsätze auseinandergesetzt habe, weil man neben einer Solidarisierung gar nicht mehr zum diskutieren kam. „Soldiarität“ ist auch so eine Art „political correctness“ mit dem man jede Kritik plätten kann. Ist aber auch ein zweischneidiges Schwert, denn wenn jemand einer „Solidarisierung aus Prinzip“ nicht zustimmt dies auch einer öffentlichen Entsolidarisierung gleichkommt. Die war aber so vielleicht gar nicht gemeint.

Dies passiert nicht zuletzt daran, das man sich nachwievor an bestimmten Feindbilder reibt und orientiert. Und die Auseinandersetzung mit eigenen Vorstellungen ist eher oberflächlich. D.h. man bildet sozuagen einen (neudeutsch:) Cluster aus difusen links-anarchistischen Vorstellungen – ist aber überhaupt nicht in der Lage oder bereit das theoretisch zu durchdenken und auch praktisch umzusetzen. Es scheint nur dann zu funktionieren, wenn“der Feind“ auftaucht – in Person „des Kapitalisten“, „des Staates“ oder „der Nazis“. Dann weiss jeder was er offenbar zutun hat. Da funktionierts. Deswegen ist G8 auch so klasse: Endlich ist wieder klar wo die Freund-Feind-Linie verläuft – man muss sich nur noch richtig gegenüber den G8-Gegner der Nazis abgrenzen.

Insgesamt also wirken die Diskussionen doch recht oberflächlich und harmlos. Das Problem ist, das aus diesem Pro/Contra Antideutschen oder Anti-G8 oder was auch immer nichts erwachsen kann, was in irgendeiner Form tatsächlich eine Alternative für das heutige System darstellt. Das hat natürlich auch damti zu tun, das die inhaltliche Distanz zwischen Linken/Anarchisten und der Mehrheit der Bevölkerung gigantisch ist. G8 ist so ein Versuch die Distanz zu überwinden. Dies passiert aber vor allem auf einer dumpfen Ebene der Neusolidarisierung mit Bewegungen wie Attac und den Gewerkschaften. Was soll dabei schon rauskommen? Hier werden wieder mal Vorurteile auf Stammtischniveau bedient um damit Massenproteste zu befördern.

5 Kommentare

  1. „“Solidarität” – mit der kann man ja auch prima alle Gegensätze unter den Teppich kehren.“

    nö da gehts darum, das kohle aufgetrieben wird und so…
    und das man leute beim staat nicht verpetzt solidarisierung gibt so gesehen viel zu wenig

  2. Jo und da guckt man dann gar nicht mehr hin, was genau die Leute für Politik machen.

  3. Also ich finde da müssten zwei Formen von Solidarität unterschieden werden, die bisher undifferenziert unter diesem einen begriff zusammengefasst werden.
    Ich kann mich mit jemenschen solidarisch erklären weil er 110% die selben inhaltlichen Positionen vertritt wie ich, und wenn er irgendwo nicht auf meiner Linie ist wird die Solidarität aufgekündigt.

    Oder grade als Anarchist finde ich es nur konsequent mich mit allen solidarisch zu erklären die in welcher Form auch immer sanktioniert werden, da ich ja gegen sanktionen in irgendeiner form bin.

    Dann sind mir die inhalte erstmal egal, weil es mir um die delegitimierung von Sanktionen geht.

    Ob dieser Umkehrschluss von „ich bin gegen sanktionen“ auf „ich solidarisiere mich mit denen die sanktioniert werden“ tatsächlich logisch ist, da bin ich mir aber auch noch nicht ganz sicher.

    bin ich dann auch solidarisch mit nazis die von antifas „sanktioniert“ werden ??? !!!
    wohl eher nicht, da weiß ich dann doch wieder „auf welcher seite ich gefälligst zu stehen habe“

    Der Konflikt ist glaub ich schon öfters diskutiert worden bei Anti-Knast-Kampagnen.
    Dort wurde z.T. Menschen die eine grundsätzlichere Kritik an „Strafe“ propagierten vorgeworfen sie würden statt „Freiheit für alle (linken) politischen Gefangenen“ „Freiheit für Kinderschänder und Neonazis fordern“

    Ich könnte von keiner Seite behaupten dass mich die Argumentation 110%ig überzeugt, naja, an meiner rote-Hilfe-Mitgliedschaft wird das jedenfalls nichts ändern.🙂

    „Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“ (Voltaire der Spinner)

  4. Also bei 110% wäre ich auch vorsichtig. Das kann ja nur Täuschung sein. Ich habe das Gefühl das zwei Sachen gar nicht zusammen passen:

    1.) Was viele Anarchistinnen empfinden und womit sie sich wohlfühlen
    2.) Der Weg, wie man zu einer tatsächlich anderen Gesellschaft kommen kann.

    Werde dazu auch gleich noch mal einen Blogbeitrag schreiben.

  5. Guter Beitrag und auch die Meinung von nazischaender ist interessant, aber deine Rechtschreibschwächen sind nicht zu übersehen.


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