Aus Diskursen ausbrechen

Was meines Erachtens oft zu kurz kommt ist das sich viele Auseinandersetzungen mit „dem Kapitalismus“ lediglich innerhalb einer eingeübten Logik bewegen. Das heisst es werden immer wieder die gleichen Rezepte und Begriffe benutzt. Das führt dazu das sich die Auseinandersetzungen sich eben an genau den Frontlinien bewegen, die tradiert sind. Letzlich wirkt es dabei oft sogar verstärkend wenn der historische Bezug gesucht wird. Die große Frage ist doch, ob es hilfreich ist Konflikte insbesondere auf die Art zu suchen, wie sie bislang relativ erfolglos geführt wurden. Gruppen wie die Interventionistische Linke
versuchen in Aufrufen zwar auch eine Erneuerung der Linken
, können aber die eigenen Muster dabei aber auch dennoch nicht überwinden. Alle beziehen sich gerne auf Widerstandsbewgungen wie die der Zapatistas in Mexiko, übersehen dabei aber das deren Logik, Tradition und Umgebung sich radikal von denen der klassischen linken Bewegungen unterscheidet. Und man entblödet sich in Deutschland dann soweit in dem man deren Sprüche die eigentlich „Alles für alle und nichts für uns“ übersetzt in „Alles für alle und zwar umsonst“ -was schon fast einer Umkehrung der eigentlichen Bedeutung gleichkommt. Nein, davon abgesehen das Anarchistinnen sich nicht diesem Linken Diskurs anschliessen sollten ist es nötig nicht einfach nur zu versuchen Widerstand neu zu erfinden, um erfolgreicher zu sein, sondern ggf. auch einmal die ganzen Begriffswelten über den Haufen zu werfen und sich die Welt neu zu erarbeiten – mit einer frischen Sichtweise, die sich neuester Erkenntnisse aus Wissenschaft und Philosophie bedient (wie sie z.B. Michel Foucault bietet).

Um das ganze mal etwas bildhafter zu umreissen: Die meisten Linken und Anarchistinnen benutzen alte Landkarten um sich zu orientieren. Diese sind aber heutzutage zum Großteil nicht mehr gültig. Sicher kann man viele Parallelen zur Vergangenheit herstellen und auch aus der Vergangenheit  lernen – dennoch bleibt zu konstatieren, das die bisherigen Strategien erfolglos waren. Kreativität findet nur im Widerstand statt und nicht im Denken. Das heisst das sich die Demonstrantinnen z.B. berechenbar verhalten. Berechenbarkeit ist das, was der Staat oder die Staaten oder das System braucht. Leider ist es nachwievor schwierig die etablierten Diskurse zu ändern. Was mich vermuten lässt, das ähnlich wie bei der EZLN eine wahre Veränderung auf keinen fall aus den klassisch linken und anarchistischen Kreisen zu erwarten ist. Die werden sich auf ewige Zeiten an den etablierten Fronten abarbeiten und sich dabei noch darüber ärgern müssen wie groß die Schnittmenge mit Rechtsradikalen ist, wenn man versucht alles auf einige wenige simple Parolen runterzubrechen.

Einen wirklich alternativen Ansatz kann ich aus dem sichtbaren Widerstand der großen Protestgruppen nicht erkennen. Und insofern bewirkt dieser m.E. eine Verstärkung und Bestätigung des Systems. Denn neben Parolen und Steinwürfen und simplen Antiamerikanismus/Antikapitalismus geht jede Differenzierung und jeder Gegenentwurf unter.

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