Linksdrehend…

Ich hatte den Text „Wenn der Staub sich legt.. “ der Interventionistischen Linken damals gar nicht bewusst gelesen. Aus Anlass der Ankündigung ihrer zweiten Arbeitskonferenz und dem Verweis auf diesen Text habe ich dies aber nachgeholt. Würde mich für weitere Meinungen dazu interessieren.

Was mich an dem Text stört ist, das dort geschrieben wird:

  • Es wird behauptet, das sie so wörtlich „den Kadern der herrschenden Klasse kräftig in die Propagandasuppe gespuckt“ haben.
  • Man distanziert sich von Distanzierungm von der Gewalt, von Vermummung und von der Distanzierung von Vermummungen.
  • Die Vereinnahmung eines sehr breiten Widerstand-Bündnisses.
  • Die Proklamation, das es „breiter Bündnisse“ bedürfe.
  • Es wird behauptet, das es eine erfolgreiche Blockade gab
  • Insgesamt wird No-G8 als Erfolg verkauft.

Was ich kritisiere ist vor allem, das dieses Papier, wie offenbar auch die Politik der Interventionistischen Linken strategisch ausgerichtet ist – zum einen wird vereinnahmt, was sich vereinnahmen lässt, zum anderen wird sich abgegrenzt gegen das was aus dem Vereinnahmten heraus geschehen ist. D.h. man pickt sich die Rosinen heraus – zum einen wird er Widerstand insgesamt vereinnahmt, aber versucht alles Negative auszuklammern ohne sich dabei so weit zu distanzieren, das die Distanzierung zu deutlich wäre. Als wahre Stilblüte erscheint mir dieser Ausschnitt:

…Der Bruch mit den herrschenden Verhältnissen ist ein gesellschaftliches Projekt auf lange Sicht und zugleich ein Projekt des individuell und kollektiv gelebten Augenblicks. Eine radikale Politik kann ihre Erfahrungen nur ausschöpfen, wenn sie die Einforderungen von Alternativen in Kampagnen, Bündnissen und Bewegungen mit ihrer praktischen Vorwegnahme und Erprobung im eigenen Alltag verbindet. In dieser Perspektive sollten radikale Linke bescheiden sein. Wir stehen noch am Anfang und sind doch längst darüber hinaus. Entsprechend offen ist unsere Zukunft. Wir machen weiter…

Warum nicht gleich „Alles wird gut?“ Leider ist der Text nicht nur eine Stilblüte, sondern die Vereinnahmung und Umarmungsversuche haben Strategie. Wer umarmt wen? Es geht eben um Macht und um Definitionsgewalt. Bedenklich finde ich auch die Realitätsverfälschung und unehrliche Auseinandersetzung mit dem, was passiert ist – auch wird keine klare Stellung bezogen (weil sowas ja Bündnisse gefährden könnte). Z.B. wird mit keinem Wort erwähnt das doch eine Menge Schulden an den Veranstaltern hängen blieben. Aus meiner Sicht ein extrem manipulativer Text und dabei zugleich extrem inhaltsleer. Jenseits des Widerstandes ist die Interventionistische Linke trotz viel heisser Luft nicht in der Lage Visionen zu entwickeln abseits von Sätzen, die einfach nur gut klingen. Bezeichnend vielleicht auch, das man bei der IL in dem neuen Aufruf auf einen Text verweist, der bereits im August letzten Jahres verfasst wurde. Offenbar kam man in der Zwischenzeit nicht weiter in der Analyse.

Wäre die IL mit ihrer Strategie erfolglos würde ich mich gar nicht  bemüht fühlen etwas zu schreiben. Fakt ist aber, das selbst Leute, die ich eher näher dem Anarchismus einordnen würde sich umarmen lassen und bei diesem neulinken Mainstream mitziehen – und dabei Geld und Zeit investieren, die viel besser in einen tatsächlichen Aufbau von Alternativen investiert wären.

Vom Eindruck her gibt es gewisse Ähnlichkeiten mit der Partei „Die Linke“ , die auch überall mit ihren Fähnchen präsent sind und auch gerne neue soziale Bewegungen für sich vereinnahmen. Deutlich wird bei beiden, das sie eigentlich inhaltlich nichts anzubieten haben. Von mehr Staat bei „Die Linke“ zu radikalen Protest organisieren bei der IL.

Wahr ist doch, das Anti-G8 medial den G8-Gipfel nicht gekratzt hat. Das eigentlich spannende waren die Berichte der Medienaktivistinnen und die Reaktion des Staates – wobei vieles von dem, was passierte sich innerhalb des Erwartungshorizontes aller Beteiligten der „Heiligendammer Passionsspiele“ abspielte. Vielleicht auch deswegen, weil kaum jemand wirklich neue Wege gegangen ist? Massenkundgebungen und Blockaden – die Vermassung des Einzelnen, der zum Werkzeug wird einer größeren Strategie. Sei es nun als Teil der Blockade oder als Polizist. Die Motivation der Demonstranten war ehrenhaft, doch oft war die Beteiligung an den Protesten weniger reflektiert. Man muss da hin, weil man da hin muss. Das Denken hatten vorher offenbar schon andere übernommen.

Ich denke schon, das es vereinzelt gute Aktionen und Treffen anlässlich des Anti-G8 gab – aber die kritisiere ich auch gar nicht. Ich kritisiere die Massenmobilisierung, die Monate vorher schon T-Shirts und andere Memorabilien bundesweit verkauft haben und stilistisch an Werbeaktionen der real existierenden Marktwirtschaften erinnerten. Sprich: Einfache Messages in Köpfe drücken und Massen mobilisieren, Kaufe Hanuta, Gehe zum Anti-G8 – die Methoden die selben nur die Absicht eine andere. Nur: Wenn man sich der gleichen Werkzeuge bedient verwischt auch die Differenz der angeblichen Andersartigkeit – und insbesondere frage ich mich wer es nötig hat Linke zu  manipulieren? Ich denke das Werbung für eine gute Sache akzeptabel ist. In dem konkreten Fall ging es aber primär um eine Mobilisierung ohne Inhalte. Ich unterstelle, das solche Kampagnen den Bemühungen schaden, die leise an Alternativen arbeiten, weil sie Aufmerksamkeit auf sich ziehen und deswegen finde ich es auch wichtig, sich dagegen offen auszusprechen. Lieber selber denken als sich für difuse Ziele einspannen zu lassen!

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