G8 Steinbruch?

Nu haben sie einen ganzen Band herausgebracht für G8. Die Leute von Block G8. Warum auch immer, aber die broschüre gibts nicht frei kopierbar als PDF, sondern nur bestellbar unter kapitalistischen Bedingungen gegen 3 EUR. vielleicht lohnen sie sich, denn solche setzen lassen vermuten, das es da viel zu lachen gibt:

Die Blockaden des G8-Gipfels 2007 haben ein Stück Widerstandsgeschichte
geschrieben. Ihre letztendliche Bedeutung werden sie aber dadurch erhalten,
was wir und Ihr aus diesen Erfahrungen macht, wie Block G8 zum Referenzpunkt
oder zum Steinbruch für kommende Aktionen wird. Mit dieser Broschüre
verabschiedet sich Block G8 als politische Struktur und versucht, den Erfolg
und Erfahrungen schriftlich zu dokumentieren und damit für die Bewegung
festzuhalten und diskutierbar zu machen.

Reinschnuppern gibts hier: http://www.block-g8.org/Abschluss.pdf

Jo, wenn man das auseinandernimmt kommt raus: „Wir haben auch keine Ahnung was der Scheiß gebracht hat und wir haben auch keine Lust uns darüber Gedanken zu machen, soll die Nachwelt doch ihr Urteil über uns fällen.“

Erstaunlich dann aber, das man dann doch so weit geht da einen ganzen „Gedichtband“ zu veröffentlichen. Bestellung heisst natürlich: Kein anonymes Herunterladen und Weitergeben, sondern hübsch Adressen sammeln. Mal wieder typisch für die Fraktion der oberkritischen Vordenker, das sie sich über solche „Kleinigkeiten“ nicht den Kopf zerbrechen. Genau wie die Experten die alle kritischen Websites und Mailinglisten bei EINEM Provider versammeln, damit man dann gleich 10.000 Gruppen-Sites auf einmal beschlagnahmen kann. Nachwievor hat sich Anti-G8 nicht selbst gefunden. Auf der Seite http://www.g8-2007.net/ liest man davon das man nach Anti-Aktionen suchte, das man Gemeinsamkeiten hatte und wie man agierte. Fragt bloß nicht nach dem Sinn des Ganzen! Das ist eine der Krankheiten unserer Zeit – es wird getan und organisiert aber ohne Sinn und Verstand. Erfolg wird definitiv ganz nach den Maßstäben der Gesellschaft: Konkrete, greifbare Ziele, wie „Aufmerksamkeit“ oder „Blockade der Straße X“. Nach konkreten Zielen war Anti-G8 erfolgreich. Ebenso aber der G8 selbst. Also: Alle waren erfolgreich. Anti-G8 hats G8 so richtig gezeigt und G8 war von Anti-G8 überhaupt nicht beeinflusst. Das sind zwar zwei völllig konträre Positionen, die beide nicht stimmen, aber so können die Staatschefs und ihre Gegner gleichfalls einen Erfolg feiern. Das erinnert doch sehr an die Aussagen nach Wahlen: Da haben auch immer ALLE gewonnen. Jede Partei versuchte auch bei G8 ihre eigene Realität als die EIGENTLICHE zu inszenieren und wendet sich dabei an das jeweilige Publikum mit einer gewissen Schnittmenge. Man könnte also konstatieren, das es bei allen Berichten und Aktionen zu G8 und Anti-G8 nie um das ging, was war,noch um das was wird. Allen Akteueren gemein ist nur die Planlosigkeit bei gleichzeitigem Festhalten an der Alternativlosigkeit ihres Tuns. Dazu fällt mir nur ein: Für die SPD war die Agenda 2010 bis vor kurzem auch noch alternativlos. Warum muss immer alles zu einem zeitpunkt alternativlos sein? In einer Welt der Vielzahl an alternativen und Möglichkeiten meint man nur noch über die Verweigerung eines Diskurses seine Ziele erreichen zu können: „So und nicht anders“. Überzeugungen und Positionen sind so käuflich und wechselhaft wie nie zuvor. Der Dogmatimus von heute scheint dabei eine gewisse Kontinuität oder die Machbarkeit von Aktionen zu garantieren. Bezahlt wird dies mit der Ignoranz gegenüber Alternativen und der Unmöglichkeit den Sinn oder Unsinn von etwas jenseits der Aktionen noch diskutieren zu können. Das ist nicht mehr nur Aktionismus – viel mehr gibt es jenseits der Aktion keine Wirklichkeit mehr – und der ausgang von Aktionen ist ungewiss. Da passt sogar der sog. „Atomausstieg“ rein, der am Ende die garantierte Laufzeit von AKWs bedeutete, die vorher nicht garantiert war. Oder beim „Generationenvertrag“ kann die lebenslange Arbeit bedeuten, das man am Ende in Armut lebt, statt wie versprochen eine „gerechte“ Rente erhält. Es war wohl nie etwas wirklich – aber dennoch scheint es mir so, als wenn die Unwirklichkeit der Wirklichkeit monatlich zunimmt. Selbst die harten Befürworter des Ausbaus der Kernergie planen in Wirklichkeit KEINEN Ausbau. Es gibt also Aktionen und Parolen – und Menschen die sich daran orientieren. Dazwischen existiert nur die Verständnislosigkeit und keine handfeste Diskussion oder mal ein schöner Streit um gegensätzliche Interessen. Alle argumentieren aus einer höheren Warte des Besseren heraus – der Richtung die „für alle besser“ sein soll. Die Wahrheit ist die, das es unterschiedliche Interessen gibt und das man nur auf Basis dieser Interesse einen ehrlichen und sinnvollen Dialog führen kann. Heute verstecken sich alle nur noch hinter Phrasen und täuschen das Publikum über ihre wahren Absichten. Und genau das werfe ich auch Anti-G8 vor: Sie haben bestimmte Ziele, die mir nicht ganz klar sind, aber sie redeten nicht darüber, sonder Mobilisierten und agitierten für ihre Aktionen. Ich glaube sogar das der Mehrzahl der Mobilisierer die eigentlichen Ziele unklar geblieben sind. Übrig bleibt eine verschiebbare und manipulierbare Masse, die lernt auf bestimmte Signale hin zu agieren. Was dies nicht bedeutet ist den kritischen Geist zu wecken, die Skepsis zu fördern und Mechanismen aufzudecken. Das was eigentlich nötig und sinnvoll wäre: Zu Entlarven! so zeigt sich die gesamte Bewegung denn auch als wenig selbstkritisch ausser dabei wo man im Konkreten Aktionen verbessern kann. Wer sich nicht auf die konkrete Kritik an Aktionen beschränkt wird als destruktiv gebrandmarkt. Denn „die Sache“ als solches gilt als Nicht-Hinterfragbar. Sie ist sich selbst als Selbstzwecke genüge.  Ohne mich.

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