Die Anführer der Anti-Nato-Bewegung verurteilten die Gewalt?

Wie unreflektiert es da mal wieder vor sich geht. Es gab wohl bei No-G8 einige Ausschreitungen von Jugendlichen. Und einem Herrn Reiner Braun fällt nichts besseres ein als:

Wir hegen keine Sympathie für die Randale“, sagte Reiner Braun von den Organisatoren des Zeltdorfes.

Wie kommt es, das immer wieder die Leute, die unnötige Bemerkungen machen zu Sprechern erkoren werden? Reiner Braun sagte auch im Vorfeld:

„Für einige Aktivisten bedeutete der Begriff gewaltfrei, dass Gewalt gegen Dinge durchaus in Ordnung ist. In unserem Abkommen haben wir darum festgeschrieben, dass wir bei unseren Aktionen keinerlei Gewalt akzeptieren. Auch nicht gegen Dinge.“

So kann das nichts werden. Ich denke ein Sprecher darf niemals Stellung nehmen gegen Protestteilnehmer, ausser sie wirken gegen die eigentlichen Ziele. Gewalt gegen Sachen aber kommt nun mal vor bei Demonstrationen, die die Konfrontation mit dem Staat suchen. Machen wir uns doch nichts vor  darum geht es doch – nicht um die Gewalt, sondern um die Konfrontation. Das es zu Gewalt gegen Dinge kommen würde war klar – wieso schreibt man einen Gewaltverzicht in eine gemeinsame Erklärung? Das ist vorrauseilender Gehorsam – und eine Distanzierung von Leuten, die zum Teil der Aktionen werden und für die selben Sachen eintreten ist in meinen Augen Verrat an der Sache.

Wahrscheinlich meint man die ganze Sache nur durchziehen zu können, wenn man selbst als auf der Seite der Gesetze stehend angesehen wird. Um Anerkennung ringend – und dabei aber dann den Spalt in die Bewegung treibend. Bei No-G8 war es das selbe. Ich würde mich niemals auf solche Bündnisse einlassen, die beim ersten Anzeichen von Gewalt sich von allem und jedem distanzieren. Natürlich kann ein Sprecher sich auch nicht vor diejenigen stellen, die Gewalt ausüben, weil er sonst zur Gewalt aufrufen würde – er kann es aber unterlassen gefährliche Distanzierungen vorzunehmen, weil die nämlich die Gewalt fördern, da hier die Taktik der Entsolidarisierung aufgeht.

4 Kommentare

  1. Im letzten Satz fehlt eine Begründung. Warum genau fördern Distanzierungen die Gewalt?

  2. Es ist doch so, das eine solidarische Bewegung eine stärkere Position hat und nicht so einfach angegriffen wird. Wenn allerdings die Polizei mit der Entsolidarisierung rechnen kann, sobald sie mit Gewalt provoziert, so wird sie natürlich mehr davon einsetzen um ihre Ziele zu erreichen.

  3. Vieleicht sollte man mal den Spieß umdrehen. Ist es wirklich die Polizei, die provoziert, nur weil sie anwesend ist. Oder ist es nicht eher so, das sich die sogenannten Linksautonomen, die vielfach nur auf Gewalt und Zerstörung aus sind, sich provoziert fühlen von der anwesenheit der Polizei. Sie provozieren doch, werfen mit Steinen und Brandsätzen. Es ist nicht die Polizei. Würde man solchen Randaliern, die meist im Schutz der schwarzen Blöcke aggieren und die Anarchie als Stadtform bejaren nicht diese Platform gegeben, müßte die Polizeipresänz nicht so masiv sein. Keiner würde sich an friedlichen Demo’s stören. Schließt solche Leute konsequent aus, den sie werfen immer ein schlechtes Licht auf alle.

  4. Wenn ich schon lese „sogenannte Linksautonome“ weiss ich schon dass Du Dich mit der Komplexität des Widerstandes nicht annähernd befasst hast oder befassen willst. Viele der aggressiveren Attacken wurden soviel ich weiss z.B. durch frustrierte franzöische Jugendliche durchgeführt – die haben die Gelegenheit ergriffen, das mal was los ist.

    zudem verwechselst du Ursache und Wirkung. Am Anfang war der NATO 60 Gipfel und nicht der Widerstand dagegen.

    Womit ich nicht sagen würde, dass es nichts zu kritisieren gibt. Auf http://www.freie-radios.net gibt es eine Menge Beiträge zur Zeit wo immer wieder auch kritisiert wird was läuft. ich würde mir mal seitens der Polizei und Politik so viel Selbstkritik wünschen.

    ich persönlich denke das solche Kämpfe oft ausgehen wie das Hornberger Schießen. Ich denke halt, dass es kein effektiver Widerstand ist, wenn man da eine Menge Demonstranten auffährt und die Konfrontation mit der Staatsmacht wagt. Legitim finde ich es – und ich akzeptiere es nicht, wenn der Staat inzwischen meint, sich alles erlauben zu dürfen. Ich finde diese Blockadeversuche laufen oft ins Leere. Der angebliche Erfolg bezieht sich zu oft darauf kleine Ziele vor Ort zu erreichen, ändert aber ofmals überhaupt nichts an dem, was kritisiert wird. In einem der Radiobeiträge hat jemand gesagt das der Antikapitalistische Block irgendwo seinen Widerstand durch eine kurze Sprinteinlage kraftvoll ausdrückte (oder so ähnlich). Da wirds dann auch langsam lächerliche. Ich bin sehr für Direkte Aktionen und effektiven Widerstand – aber dieses an der massiven Staatsmacht reiben sehe ich als nicht sonderlich produktiv an.


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