Der Betriebsrat muss nicht am Anfang stehen!

Für viele Arbeitende kommt nach der Unzufriedenheit als erster Gedanke: Wir brauchen einen Betriebsrat! Doch der ist immer auch an Bedingungen genüpft und hat seine Vor- und Nachteile.

Dies ist daher ein Plädoyer dafür niederschwelliger anzufangen. Alles fängt doch damit an, dass man über seine Arbeit redet:

  • Darüber wie unterschiedliche die Löhne sind
  • Wie die Arbeitsverträge aussehen
  • in wiefern alle gleich behandelt werden
  • welche Zustände ggf. unerträglich sind
  • natürlich auch das Positive, wenn es das gibt

Am besten bespricht man sich als Belegschaft erst ein mal im kleinen Rahmen. Vielleicht erst zu zweit oder dritt und trifft sich dann vielleicht einfach mal zum Gedankenaustausch außerhalb des Betriebes. Wichtig ist dabei, dass die Offenheit gegeben ist, zu sagen, was man denkt und erfahren hat. Und welche Wünsche und Kritik es gibt. Alles mit der Zeit auf den Tisch. Aber es braucht Geduld. Es geht auch darum gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Vielleicht bekommt jemand auch mehr Lohn als die anderen und fürchtet um seine Privilegien. Dann muss man auch auf solche Ängste Rücksicht nehmen. Das Bewusstsein für Probleme muss auch erst wachsen. Und auf keinen Fall nach einem Treffen am nächsten Tag im Betrieb gleich etwas über das Knie brechen! Ihr solltet wissen, worauf ihr euch einlasst, was die rechtliche Situation ist. lasst euch Zeit eine gemeinsame Position zu finden! Und auch niemanden sofort unter Druck setzen, nur weil er/sie nicht so mitspielt, wie es eine Mehrheit gerne hätte. Vielleicht hilft euch gerade die skeptische Stimme dabei etwas Wichtiges nicht außer acht zu lassen.

Hat euer Betrieb weniger als fünf Beschäftigte ist ein Betriebsrat nach den gesetzlichen Vorgaben eh nicht möglich. Der Betriebsrat selbst garantiert euch auch noch nichts. Der muss ja auch erst aktiv werden. Und wenn der Betriebsrat nicht das tut, was ihr wollte habt ihr Pech: So einfach absetzen kann man ihn nämlich dann nicht mehr: Er spricht für euch und ihr könnt wenig dagegen machen!

Das Betriebsverfassungsgesetz definiert zudem den Grundsatz der vertrauensvollen Zusammenarbeit. Das bedeutet, dass der Betriebsrat gesetzlich dazu verpflichtet ist nicht konfrontativ gegenüber den Arbeitgeber*innen zu sein. Das heisst dann schon einmal, dass so etwas wie eine Arbeitsverweigerung von einem Betriebsrat nicht ausgehen dürfen. Dem Betriebsrat sind also auch teilweise die Hände gebunden sind, wenn eigentlich Handeln unmittelbar geboten ist! Manchmal geht es eben auch nur konfrontativ. Ihr wählt also einen Betriebsrat, der antritt eure Interessen durchzusetzen – und dann wird ihm genau das schwer gemacht dadurch, dass diese Leute Betriebsratsmitglied sind. Na wunderbar!

Eine Betriebsgruppe ist im Gegensatz dazu ein nicht-formalisierte Gruppe, die sogar auch Menschen unter 18 (also oft Auszubildende) oder Leiharbeiter*innen oder Kollegen aus einem angedockten Betrieb (z.B. Reinigungskräfte) miteinander verbindet um ebenfalls erst einmal nur miteinander über betriebliche Angelegenheiten zu reden. Es ist dann oft auch wertvoll verschiedene Perspektiven zur Kenntnis zu nehmen, die in einem Betriebsrat ausgeschlossen werden. Daraus ergibt sich ein vielseitigeres Bild. Im übrigen schließen sich Betriebsrat und Betriebsgruppe(n) nicht aus. Ihr könnt auch in einem Betrieb der einen Betriebsrat hat eine Betriebsgruppe bilden. Z.B. auch eine ausschleißlcih für Auszubildende oder nur für Frauen (weil es da z.B. sexistische Übergriffe von Männern gibt und es für ein vertrauensvolles Gespräch notwendig ist unter sich zu sein). Eine Betriebsgruppe kann auch zeitlich begrenzt ins Leben gerufen werden.

Wir empfehlen sie eigentlich für jeden Betrieb. Sie kann z.B. auch ggf. doch auch einen Betriebsrat initiieren und sich vorher über Vor- und Nachteile informieren. Wir halten es für unverantwortlich, dass viele Gewerkschaften Belegschaften einen Betriebsrat empfehlen, ohne dass es vorher schon angemessene Strukturen im Betrieb gibt.

Wenn ihr Fragen habt, könnt euch an uns wenden. Momentan sind wir keine Gewerkschaft, sondern ein freier Zusammenschluss an Anarchist*innen, die etwas verändern wollen.