„Anarchistische Initiative Kiel“ – Neuer Name, gleiche Gruppe

Wir haben uns dazu entschlossen den Namen unserer bisher noch kleinen Gruppe zu ändern. Zuvor nannten wir uns „Anarchistischer Aufbau Kiel“. Wir hatten nach einigen Monaten das Gefühl, dass wir zu dem Namen nicht die Verbindung aufbauen konnten wie erhofft.

Nun also „Anarchistische Initiative Kiel“. Wir wollen in Kiel eine anarchistische Perspektive einbringen und an den umfangreichen Fundus an Ideen aus der Vergangenheit erinnern. Anarchie, Anarchismus ist jedoch viel mehr als nur ein historisches Kapitel, das abgeschlossen ist und an das man lediglich erinnert. Wir sind der Überzeugung, dass sehr viele Ideen heute aktueller sind als noch vor kurzem.

Die Menschen sind unzufrieden mit ihrer Rolle in einer repräsentativen Demokratie, fühlen sich nicht richtig vertreten, wollen mehr mitreden. Mehr Demokratie und mehr Mitspracherechte im Kleinen sind aber eben einer der Kernansätze der Anarchie.

Herrschaft hinterfragen. Hier spielt auch das Mitreden hinein. Wir leben hier in keiner Diktatur, aber dennoch wird vieles zentral entschieden und manche Organisationen oder Einzelpersonen haben per Gesetz Rechte Herrschaft auszuüben, die ihnen nicht zustehen und die sie auch missbrauchen. Viele hinterfragen diese Herrschaft auch nicht, weil Menschen es nicht gewohnt sind, dass es auch anders gehen kann. Bürgerbeteiligung wird zwar vielerorts groß geschrieben, doch am Ende entscheiden oft nur wenige.

Wie wir wirtschaften. Gegen den Kapitalismus. Einzelne können im Kapitalismus unbegrenzten Reichtum anhäufen. Und Reichtum selbst ist wiederum der Schlüssel für Vieles: Für bessere Bildung, für mehr Platz, für mehr Einfluss. Die Besitzenden profitieren davon, dass die Allgemeinheit die Bedingungen schafft, um Geld zu verdienen. Wir verfolgen weniger das Ziel einer Umverteilung oder von Gerechtigkeit, sondern von einer gesellschaftlichen Gleichheit der Lebensbedingungen. Es darf kein Recht geben beliebig viel zu besitzen oder zu verdienen. Denn alle brauchen Ressourcen um mehr als nur zu überleben, sondern eine Perspektive im Leben zu haben.

Wenige haben unendliche Perspektiven, während die Meisten und gerade um unteren Ende der Einkommensspirale perspektivlos bleiben: Sie können sich keine Alterssicherung aufbauen. Sie hangeln sich von Minijob zu Minijob. Oder sie bleiben in Abhängigkeit vom Jobcenter.

Solidarität. Die Arbeitswelt ist hierarchisch geprägt. Zwar gibt es einzelne Beispiele von Kollektiven und Genossenschaften, die eine Ausnahme versuchen. Aber zum einen sind es leider nur wenige Beispiele und zum anderen fehlt eben eine Vernetzung, die eine starke kollektivierten Wirtschaftszweig darstellt. Wer nicht auf ewig seinen Platz in einem Kollektiv findet, wird doch immer wieder in den normalen Arbeitsmarkt geworfen werden. Hier ist es wichtig sich gegenseitig zu helfen: Bei der Erkämpfung von Arbeitsrechten, die auch über das hinaus gehen, was heute schon rechtlich gewährt wird. Gegenüber den Arbeitgeber:innen gemeinsam auftreten, um gemeinsam mehr zu erreichen. Und zwar nicht nur höhere Löhne oder kürzere Arbeitszeiten, sondern insgesamt bessere Arbeitsbedingungen. Wenn jede:r nur für sich selbst kämpft, erreicht man maximal etwas nur für sich selbst. Jede gemeinsame und solidarische Vorgehensweise schafft einerseits eine positive Erfahrung und zum anderen bewegt man mehr, als nur für ein begrenztes Arbeitsverhältnis. Man eröffnet Perspektiven für die Zukunft, für andere Kolleg:innen, für andere Betriebe und für die ganze Gesellschaft.

Gute Beispiele und positive Erfahrungen müssen transportiert und öffentlich gemacht werden um davon zu lernen. Genau so allerdings natürlich auch Geschichten des Scheiterns. Wir können nicht immer gewinnen, aber wir können immer etwas lernen. Daher ist es auch wichtig Dinge auszuprobieren und vor allem nicht aufzugeben oder nur dann anzufangen, wenn man sich sicher ist, dass man Erfolg haben wird.

Unser Anspruch ist es vielseitig aktiv zu werden in Bereichen wie Geschichte, Kultur, Arbeitswelt, Wohnen, … . Wir verfolgen keine weltfremden Ideologien, sondern arbeiten als reale Personen zusammen mit allen Schwächen und Problemen, die das Leben mit sich bringt. Wir haben keine fertigen Rezepte, die wir euch auftischen wollen, aber wir haben da einiges an Ideen, die wir in Kiel mit euch diskutieren oder ausprobieren wollen.

Noch sind wir eine kleine Gruppe, die mehr damit beschäftigt ist, ihren Weg zu finden. Aber wir sind gerade deswegen auch offen für Vorschläge oder Menschen, die konkret mitmachen wollen

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